Grün Bauen lohnt sich, wenn man richtig rechnet
Bernard C. Kümmerli, ein Masterabsolvent des Instituts für Geschichte und Theorie der Architektur (gta) an der ETH Zürich, bezeichnet die ökonomische Nachhaltigkeit als das «vergessene Drittel»: Während ökologische Aspekte breit diskutiert werden, werden finanztechnische Überlegungen häufig wenig berücksichtigt, welchen wirtschaftlichen Wert ein Gebäude langfristig schaffen kann.
Heute Parkhaus, morgen Büro?
Das untersuchte Empa-Parkhaus wurde so geplant, dass eine spätere Umnutzung möglich ist. Ausreichende Geschosshöhen, eine modulare Struktur und weitere konstruktive Entscheidungen schaffen dafür bereits heute die Voraussetzungen. Solche Weichen müssen früh gestellt werden. Nach Fertigstellung lassen sie sich nur schwer oder teuer korrigieren.
Diese Flexibilität kann zunächst mehr kosten. Kümmerli zeigt jedoch, dass sich das Bild verändert, wenn zukünftige Nutzungen und Zahlungsströme berücksichtigt werden. Dafür nutzt er die in der Finanzwelt seit Jahrzehnten erprobte Netto-Barwertmethode (Net Present Value) und vergleicht unterschiedliche Transformationsszenarien.
«Grün lohnt sich.»
Transformierbarkeit allein reicht nicht. Ein Gebäude flexibel zu planen, garantiert noch keinen wirtschaftlichen Nutzen. Wird es später nie transformiert, bleiben die höheren Anfangsinvestitionen bestehen. Deshalb empfiehlt Kümmerli, bereits in der frühen Planungsphase eines Areals oder Projekts mögliche Entwicklungsszenarien mit entsprechenden Annahmen und konkrete Entscheidungspunkte festzulegen. Dabei wird beispielsweise definiert, wie reagiert werden soll, wenn künftig weniger Parkplätze benötigt werden oder sich die ÖV-Erschliessung verbessert. So ist von Beginn an klar, unter welchen Bedingungen eine Umnutzung geprüft werden soll.
Die Zukunft ist ungewiss, doch unsere Planung von heute bestimmt, wie anpassungsfähig Gebäude von morgen sind. Flexibilität von der frühen Planungsphase an ganzheitlich mitzudenken, sichert den langfristigen Wertbehalt und ist der zentrale Hebel für konsequente Ressourcenschonung.
Mehr Info gewünscht?
Die Erkenntnisse basieren auf der Masterarbeit von Bernard C. Kümmerli zur ganzheitlichen Nachhaltigkeit in der Schweizer Architektur und einem Gespräch mit Circular Hub vom Oktober 2026. Wollen Sie die ganze Studie lesen, melden Sie per Mail bei uns. Die Zusammenfassung finden Sie bei der ETH.
Foto: Parkhaus, ©sam Architektur / Fabio Compagno



