Calida: T-Shirts aus Holz

Die Modeindustrie steht seit Jahren in der Kritik, eine der ökologisch und sozial schädlichsten Industrien zu sein. Insbesondere der Anbau und die Weiter­verarbeitung von Baumwolle verbraucht Unmengen an Ressourcen. Einer Studie zufolge ist die Menge der Stoffreste aus dem Zuschnitt so gross, dass man damit die gesamte Schweiz bedecken könnte. Der Schweizer Wäschehersteller Calida will dieser Entwicklung entgegentreten und schlägt mit der I LOVE NATURE Linie einen zirkulären Weg ein.

Mit der vor drei Jahren entstandenen Idee geht Calida in seinen Nachhaltig­keits­aktivitäten einen Schritt weiter als bisher, denn die 2018 lancierte Linie ist vollständig kompostierbar. Das Unternehmen adressiert damit das Problem des Ressourcen­verbrauchs in der Modeindustrie und reagiert auf die Bedürfnisse einer jüngeren, umweltbewussten Zielgruppe.

«Zirkuläre Produkte, die in den Kreislauf zurückgeführt werden können, sind die Zukunft.»

Stefan Kehrer, Leiter Materialentwicklung/-Einkauf/-QS, Calida

Vorgehen
Calida sieht in der I LOVE NATURE Kollektion grosses Potenzial und rechnet mit einer wachsenden Nachfrage. Die Entwicklung der Kollektion stellte das Unternehmen vor einige Herausforderungen, aus denen das Unternehmen aber auch wertvolle Erkenntnisse ziehen konnte.

Calida betont, dass Innovationen wie die I LOVE NATURE Linie immer in Zusammen­arbeit mit anderen Interessensgruppen entstehen. Zu ihren Hauptpartnern im Bereich Fasern gehört das österreichische Unternehmen Lenzing, zusammen mit ihren anderen Schweizer Hauptstoff-Lieferanten, mit denen Calida seit über 50 Jahren zusammen­arbeitet. Lenzing hat die Textilfaser Tencel entwickelt, um die steigenden Umwelt­auswirkungen zu reduzieren und dem Wunsch der Konsumenten nach nachhaltigen Produkten zu entsprechen. Für die Faser wird als Rohstoff Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft mehrheitlich aus Österreich und Tschechien verwendet. Im Gegensatz zu Baumwolle ist kein Einsatz von Pestiziden erforderlich, Transport­wege sind um ein Vielfaches kürzer und es wird weniger Wasser benötigt. Abfälle aus dem Zuschnitt werden außerdem wieder in den Produktions­kreislauf zurückgeführt. In Zukunft soll möglich sein, auch sogenannte «post-consumer» Abfälle, also bereits getragene Kleidung, wiederverwerten zu können.

Die Herausforderung
Zusätzlich zum Stoff müssen auch alle anderen Zutaten des T-Shirts kompostierbar sein. Hierfür geeignete, optimalerweise Cradle to Cradle zertifizierte Lieferanten zu finden, ist nicht einfach. Calida ist jedoch überzeugt, weitere Lieferanten für die Circular Economy begeistern zu können.

Außerdem legt Calida grossen Wert darauf, dass die Produkte trotz nachhaltiger Herstellung auch Design-Trends erfüllen. Das Hauptelement, der Stoff, muss höchsten Ansprüchen an Haptik, Optik, Langlebigkeit etc. genügen. Um ressourcenschonend produzieren zu können, müssen Designprozesse von Anfang an konsequent zu Ende gedacht werden. Die Entwicklung eines kompostierbaren Kleidungsstücks nimmt daher viel Zeit in Anspruch. Alle Beteiligten vom Designer bis zum Verkäufer müssen in den Prozess involviert werden und das Konzept verstehen und unterstützen.

Um zirkuläre Produkte wie I LOVE NATURE aus der Nische zu holen, ist auch die Teilnahme an Events wie dem Fashion Revolution Day wichtig. Die Schulung von Multiplikatoren über den Mehrwert der Produkte, insbesondere das Verkaufspersonal, trägt zur wichtigen Sensibilisierung und Information über das wirtschaftliche Potential von zirkulären Geschäftsmodellen bei.

Nächste Schritte
Durch Influencer-Marketing konnte mit der Produkt-Range auch eine von Calida bislang noch weniger erschlossene, jüngere Zielgruppe angesprochen werden. Bereits in der Herbst/Winter 2019 Kollektion, die ab Juli erhältlich ist, wird die I LOVE NATURE Linie um vier Produkte erweitert. Und auch für kommende Saisons sind weitere kompostierbare Styles geplant, möchte man die Mini-Kollektion doch laufend vergrössern und weiterentwickeln. Schliesslich sollten zirkuläre Produkte nicht die Ausnahme, sondern eine Selbstverständlichkeit sein.

Kontakt:
Cécile Moser, PR Manager Calida
presse@calida.com

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